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Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen
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Erfahrungsbericht 1

Ich selbst habe die bi-licence gewählt und es im Nachhinein bereut, daher empfehle ich die licence générale! Bei der bi-licence hat man zusätzlich zum französischen Recht deutsches Recht, einen Englischkurs und 2 Übersetzungskurse. Mich hat diese Kombination aus zwei Gründen nicht überzeugt:

  1. Die Kombination an sich mit einem Englischkurs, der 1 Mal wöchentlich stattfand, und 2 Übersetzungskursen, gefiel mir nicht. Mir hat das Potsdamer System, bei dem man vom Prinzip her „nur“ Jura studiert hat und die Sprachkurse fakultativ waren, sehr viel besser gefallen.
  2. Speziell in unserem Jahrgang waren Studenten mit unterschiedlichsten Vorkenntnissen vereint (und das wird wohl auch in den kommenden Jahren so sein): Studenten mit 2 Jahren Studium in Potsdam, Studenten mit 2 Jahren Studium in Nanterre, in beiden Gruppen Deutsche und Franzosen, Studenten mit 1 Jahr Studium in Potsdam und 1 Jahr in Nanterre sowie noch einige spezielle Lebensläufe.
    Es ist sicher schön, Deutsche und Franzosen zu mischen, aber in unserem Fall war die Kursatmosphäre nicht sehr gut, weil sich entweder die Hälfte der Studenten hoffnungslos unterfordert fühlte oder aber sehr große Ungleichheiten bei den Noten das Resultat der etwas schwierigeren Klausuren war.

Die bi-licence ist allerdings ein bisschen weniger arbeitsintensiv, da man ein TD weniger hat: Wer also einfach weniger lernen möchte, weil er arbeiten muss, oder Paris genießen will, sieht darin vielleicht einen Vorteil!

Erfahrungsbericht 2

Seit September 2005 studiere ich in Paris an Potsdams Partner-Uni X-Nanterre. Damit bin ich eine der ersten, die die Wahl hatte zwischen der neuen bi-licence und der altbewährten licence générale. So viel vorab: Ich selbst habe mich für die bi-licence entschieden, und bin auch zufrieden mit meiner Wahl. Das Thema lässt sich keinesfalls erschöpfend behandeln. Deshalb stehe ich gern zur Verfügung, per Mail die letzten Fragen persönlich zu beantworten: Sarinahaeg@aol.com

Letztendlich bleibt die Entscheidung wohl eine Geschmackssache. Was sind also die beiden Abschlüsse?

In beiden Fällen bekommt man nach einem Jahr des Studiums, wenn alles gutgeht, ein Dokument mit dem Namen licence. Nur steht auf dem einen Papier “licence spécialisation droit allemand-droit français”. Damit ist auch schon der erste Unterschied klar: Neben den französischen Vorlesungen hört man auch noch deutsche, wenn man sich für die bi-licence entschieden hat.

Darin sehe ich auch einen Vorteil: Ein Jahr im Ausland lädt förmlich dazu ein, alles zu vergessen, was man sich in zwei Jahren in Deutschland angelernt hat. Sicher, ein paar Grundkenntnisse bleiben, aber es ist schon traurig, dass man einfache Fragen nach ein paar Monaten schon nicht mehr mit mehr als einem Argument beantworten kann. Da ist es ganz gut, ab und zu Blockunterricht zu haben, in dem entweder bereits Bekanntes aufgefrischt, oder neue Themen erarbeitet werden. Kontrapunkt ist jedenfalls, dass auch Vorlesungen angeboten werden wie Sachen-, Arbeits- und Familienrecht, oder sogar Strafrecht AT (durch einen Fehler der Verwaltung gab es nicht BT), die man schon gehört hat.

Das klingt nach Langeweile, und das trifft gelegentlich auch zu. Dabei ist es gerade interessant, bekannte Professoren anderer deutscher Universitäten zu hören, vor allem im Hinblick darauf, dass man als DFH-Student nach dem Parisaufenthalt wieder zurück nach Potsdam gehen wird, und in den Genuss so schnell nicht wieder kommt.

Außerdem hilft selbst eine zu simpel scheinende AT-Strafrecht-Vorlesung dabei, Themen, die man schon vergessen (oder vielleicht sogar nie richtig verstanden) hat, im kleinen Rahmen wieder aufzuarbeiten. Und gute Professoren sind in solch kleinen Gruppen nicht nur besonders freundlich, witzig und zugänglich, sondern stellen manchmal sogar spontan ihren Vorlesungsplan auf die Wünsche der Studenten um.

Dass der Wissenszuwachs nicht immer sehr hoch ist, liegt einerseits daran, dass das Leistungsgefälle zwischen den in Nanterre gebliebenen Franzosen und der aus Potsdam kommenden Gruppe teilweise sehr groß ist; und andererseits die Motivation für einige der deutschen Studierenden nicht sehr hoch ist, weil die Noten im deutschen Recht nicht (nicht einmal als Koeffizient!) auf den Schwerpunktbereich in Deutschland angerechnet werden.

Das ist sehr schade, und vielleicht ändert es sich ja noch für euch. Schließlich bringt man ganz schön viel Zeit auf, um den Stoff aufzuarbeiten, und für die Klausur gerüstet zu sein. Und das Niveau ist nur dann nicht hoch, wenn versucht wird, es “allen” recht zu machen- wenn also den Professoren bei der Notenvergabe Empfehlungen für eine “großzügige” Bewertung gegeben werden.

So viel kann ich schon jetzt sagen: Wo es Ausnahmen für vermeintlich Schwächere gibt, gibt es Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit bei denen, die nicht betroffen sind. Ob man weiterhin Blockunterricht haben will, war für einige von uns ein Kriterium, mit dem die licence générale gewählt wurde. Ich persönlich finde es nicht so tragisch, denn hier sind die Unizeiten sowieso furchtbar (10 min Pause nach 1 ½ Stunden Vorlesung). Die “généraler” hatten teilweise auch ihren TD (sie haben übrigens zwei!) abends liegen, so dass wir zeitweise gleichzeitig aus der Uni kamen.

Jedenfalls liegen die Klausuren nicht so eng wie in Potsdam; zwischen Block und Klausur können schon einmal zwei Monate vergehen- das ist aber kein Grund zur Freude, weil dann die französischen Klausuren nahe liegen. Jeder Vorteil ist also dicht gefolgt von einem Nachteil.

Schade ist in jedem Fall, dass man sich überhaupt entscheiden muss. Denn mit der Entscheidung für eine der licence-Arten, entscheidet man sich gleichzeitig dafür, nur noch einen Teil der Kommilitonen regelmäßig zu sehen. Nur die Hauptfächer sind dann gleich- und bei den Diktaten in der Vorlesung ist nicht wirklich Raum für Gespräche. Und selbst wenn man sich für die licence générale entschieden hat, heißt das noch nicht, dass alle die gleichen Fächer haben: Es gibt eine licence im droit privé, und eine im droit public; und nur eine davon kann man wählen- und das verändert wieder den Stundenplan, weil die Schwerpunkte ja anders liegen.

Bei der bi-licence kann man nur das TD wählen: entweder droit international public, oder droit commercial (droit des sociétés). Und, wie gesagt, es gibt nur ein TD- was aber nicht unbedingt weniger Arbeit bedeutet. Zudem kann man in der bi-licence momentan noch wählen, ob man sich Kurse aus Potsdam anrechnen lassen kann, oder nicht. Das sorgt aber für nicht unerhebliche Miss-Stimmung bei den Studierenden, und so weiß ich nicht, wie lange Herr Seul diese Ausnahmeregelung noch durchziehen wird.

À propos: Wenn es um Kritik an der bi-licence geht, steht Herr Seul oft im Kreuzfeuer. Zu diesem “Punkt” möchte ich allerdings nicht mehr sagen, als dass die Entscheidung über einen Universitätsabschluss wohl nicht von der Person des Programmbeauftragten abhängig gemacht werden sollte.

Bis jetzt klingt es ja so, als hätten die “bi-licenceler” wesentlich weniger Arbeit. Das stimmt nun aber nicht so ganz, denn es gibt noch Sprachkurse (idR Übersetzung), bei denen immer zumindest das Mitschreiben der Klausur Pflicht ist, und sogar einen Englisch-Kurs.

Darüber gibt es auch geteilte Meinungen: Fordert man Wissenszuwachs, so mögen die Kurse nicht für jedermann geeignet sein. Geht es einem allerdings darum, z.B. im Englischen ein bestimmtes Niveau zu halten, dann ist es nicht mehr schwer, einen Sinn in diesem Kursangebot zu sehen. Denn nach einiger Zeit in Frankreich ist es gar nicht mehr so leicht, einen Satz zu konstruieren mit lediglich englischen Vokabeln- ständig hat man französische Ausdrücke “auf der Zunge”!

Und wer von euch kann aus dem Stegreif das BGB oder Texte aus FAZ, JuS usw. richtig und juristisch passend und sprachlich schön gleichzeitig übersetzen? Mme Sousa-Cousta wird euch zeigen, dass da noch Schwächen bestehen- aber auf eine sehr liebenswerte Art, so dass der Kurs nicht wirklich eine Last ist.

Weil diese der bi-licence eigenen Sprachkurse oft mir recht guten Noten einhergehen (wenn man was dafür tut- wie halt immer), wird man als “bi-licenceler” gelegentlich ein wenig belächelt: Die “généraler” kommen schließlich auch ohne Sprachkurse klar! Und in der “biLLIG-licence” scheint man mit guten Noten beworfen zu werden!

Das stimmt nicht so ganz, denn auch die “bi-licenceler” müssen für ihre Klausuren lernen. Und in den Fächern wie “histoire des idées politiques” und “droit romano canonique”,die die “généraler” stattdessen belegen mussten, ist der Ton wohl auch nicht so rau wie in den Hauptfächern- na ja, was man so hört...

Aber noch etwas wird immer wieder in die Waagschale geworfen: Die “bi-licenceler” sprächen angeblich die ganze Zeit deutsch. Nun, das ist eigentlich jedem seins: Es gibt Deutsche, die auch untereinander französisch sprechen; es gibt Deutsche, die französisch sprechen, wenn Franzosen zugegen sind; und es gibt welche, die sprechen, wie's grad kommt. Ich jedenfalls suche mir meine Freunde nicht nach deren Muttersprache aus, so dass es bei mir davon abhängt, mit wem ich rede, und wie schnell es gehen muss usw.

Jedenfalls haben wir “bi-licenceler” den Kontakt zu den Potsdamer Franzosen leichter halten können, weil wir uns ständig sehen. Das finde ich persönlich sehr schön, weil man in der Uni ja nicht nur Zweckgemeinschaften aufbaut, sondern auch Freundschaften. Die “généraler” hatten es da wahrscheinlich schwerer, weil sie in eine riesige unbekannte Gruppe hineinkamen. Aber unzufrieden ist damit meines Wissens nach keiner; sie haben wohl alle Anschluss gefunden.

Dass eine Kleingruppe Vorteile bringt, was auch Treffen wie ein gemütliches Kaffeekränzchen in der Cafeteria, oder ein Adventsfrühstück angeht, dürfte auch ohne großen Kommentar einleuchten.

Im Endeffekt kann ich nur für mich allein sprechen- die endgültige Entscheidung müsst ihr ganz allein treffen. Für mich hat damals Ausschlag gegeben, dass ich das deutsche Recht evtl. nicht so stark aufholen muss, wenn ich wieder in Potsdam bin, dass ich weiterhin Kontakt zu “unseren” Franzosen halte, und dass sich das bi-licence-System als Spiegel zu dem Studium in Potsdam darstellt (guter Punkt im Lebenslauf).Heute würde ich wieder so entscheiden.

Ich finde, trotz allen Ärgers über Ungleichbehandlungen jeglicher Art, dass ich so einen viel besseren Vergleich der deutschen und französischen Arbeitsweise bekommen habe, als das in der licence générale möglich gewesen wäre.

Aber wer weiß...