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Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen
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Studientechnisches

Wir sind nach Nanterre gekommen, um erst einmal die licence und im zweiten Jahr dann einen halben oder einen Viertelmaster zu machen... vielleicht ist für euch die Perspektive ja schon etwas klarer... Uns wurde versprochen, dass die Maîtrise auf Anfrage noch ausgestellt wird. Wir konnten durch die LMD-Umstellung in diesem Jahr erstmalig die deutsch-französische licence ablegen. Einige von uns haben aber doch lieber die rein französische licence gewählt.

Das neue französische System ist nicht gerade unkompliziert: Es gibt Koeffizienten zwischen 1 und 3 für die unterschiedlichen Fächerbereiche, Pflichtfächer zählen am meisten (K 3). In jedem belegten Fach (licence générale: 6 pro Semester, bi-licence: 5 bzw. 4) muss am Semesterende eine Prüfung abgelegt werden (Wahl zwischen TD, schriftlicher oder mündlicher Prüfung). Insgesamt muss in jedem Koeffizienten-Bereich eine moyenne von 10 Punkten erzielt werden und dies in jedem der beiden Semester. Soweit ich weiß, hat man in der bi-licence nur Fächer aus den Bereichen 2 und 3, da dort keine weitere Wahl zwischen den Fächern besteht (s.u.).

Der Aufbau des Semesters ist folgendermaßen: Beide Semester sind in etwa gleich lang, etwa vierzehn Wochen, wovon jeweils zwei Wochen Ferien (Weihnachten bzw. Ostern)abgezogen werden müssen. Das Wintersemester geht von Anfang Oktober bis Anfang Januar, das Sommersemester von Mitte Februar bis Ende Mai. Die TDs beginnen jeweils eine oder zwei Wochen nach Vorlesungsbeginn. Vor dem Prüfungszeitraum ist eine Woche frei, in denen nur noch die TDs stattfinden. Danach folgt eine Woche, in der die Prüfungen in den TD-Fächern („partiels“ genannt) stattfinden, also entweder eine oder zwei. Darauf folgen schließlich zwei Wochen für die übrigen Prüfungen, mündlich und schriftlich.

Auf die Koordination der Prüfungen hat man keinen Einfluss, so mussten einige von uns ihre beiden partiels nacheinander schreiben (mit einer Stunde Pause). Schriftliche Prüfungen haben Vorrang vor den mündlichen, die im Überlagerungsfalle verlegt werden. Es kann aber auch sein, dass zwei mündliche Prüfungen für den gleichen Prüfungszeitraum angesetzt sind (jeweils ab 9.30 bzw. ab 14.30h), wobei man gut beraten ist, die Professoren zu informieren, früh zu der ersten Prüfung zu gehen, um sofort dran zu sein, und danach zu der anderen zu gehen. Geprüft wird zehn Minuten lang vom Professor und manchmal auch von einem Assistenten. Die partiels und die schriftlichen Prüfungen belaufen sich jeweils auf drei Stunden, zwei Themen stehen zur Auswahl. Lexika sind für Nicht-Muttersprachler erlaubt, die Arbeit kann man mit „non francophone“ kennzeichnen, worauf wohl auch Rücksicht genommen wird.

Zwischen dem Winter- und dem Sommersemester gibt es nur eine Woche Ferien, dafür ist man im Sommer bereits Mitte Juni frei.

Was die Lehre angeht, kommen mir die Professoren hier häufig viel gleichgültiger Studenten gegenüber vor. Dennoch sind die allermeisten dazu bereit, in der Pause (die hier einige nach 45min oder 1h durchführen) Fragen zu beantworten, die jedoch viel seltener als in Potsdam gestellt werden. In den mündlichen Prüfungen nehmen sie aber auf ausländische Studenten, von denen es hier recht viele gibt, Rücksicht und zeigen sich relativ wohlwollend.  
 
Die Jahrgänge sind nach dem Alphabet in zwei unités pédagogiques (UPA und UPB) eingeteilt. Alle Potsdamer Studenten sind aber unabhängig vom Anfangsbuchstaben im UPB, damit wir zusammenbleiben. Beide UPs haben unterschiedliche Stundenpläne und unterschiedliche Professoren, manchmal aber gemeinsame TDs und häufig die gleichen Prüfungsthemen.
Auf Stundenpläne kann man sich hier leider überhaupt nicht verlassen. Ständig werden – zeitlich begrenzte oder dauerhafte – Umlegungen vorgenommen; die meisten Professoren holen selbst wegen eines Feiertags ausgefallene Vorlesungen nach, was wegen der schwierigen Raumlage (alle Jahrgänge – dazu jeder Jahrgang in zwei Schichten – in vier Hörsälen) nicht selten zu Vorlesungen am Freitagabend oder Samstagmorgen führt. Und die Hörsäle sind selbst dann prall gefüllt... Momentan herrscht hier wegen der Blockade der Universität Endzeitstimmung – es ist völlig unklar, wie und wann die entfallenen Vorlesungen und TDs nachgeholt werden können. 

Da wir nicht genau wissen, ob ihr die Option zwischen den Licencetypen noch haben werdet, stelle ich einfach beide Möglichkeiten vor. Ihr könnt ja den ersten Teil überspringen, wenn diese Wahl nicht mehr bestehen sollte. Das wäre dann aber ziemlich schade für euch, um hier einem Kommilitonen zu zitieren, dessen Einschätzung ich teile: „Angesichts der vielen Probleme, die die bi-licencler zu haben scheinen (Anrechnung, Klausurtermine, Umrechnung in Schwerpunktbereich, Zeiten etc.) und der zusätzlichen Wahlmöglichkeiten in der licence générale bin ich sehr froh, letztere genommen zu haben. Allerdings haben zukünftige Jahrgänge meinen Informationen nach sowieso keine Wahl mehr und müssen die bilicence nehmen. Daher: schade! Im großen und ganzen wird man aber wohl mit beidem glücklich, zumal die Probleme bei der bi-licence vor allem verwaltungstechnischer Natur sind und nicht inhaltlich.“

Ich werde im Folgenden versuchen, die Unterschiede zwischen bi-licence und licence générale aufzuzeigen. Da ich mich für die zweite Variante entschieden habe, sind meine Informationen dort zuverlässiger. Für die bi-licence habe ich die Meinung zweier kompetenter Kommilitoninnen gewonnen. Wer detaillierte Informationen zur bi-licence haben möchte, muss sich an sie oder generell an diejenigen wenden, die diese Option gewählt haben.