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Mündliche Prüfung

Einer der größten Vorteile der mündlichen Prüfungen: Sie dauert nur zehn Minuten. Man muss mindestens ein Fach pro Jahr mündlich wählen. Zehn Minuten lang bereitet man sich während der Prüfung des Vorgängers im gleichen Raum vor. Wer sehr geräuschempfindlich ist, sollte also früh kommen, um als erster an die Reihe zu kommen. Eine Gruppe von Studenten ist jeweils alphabetisch für einen Zeitraum eingeteilt, die Reihenfolge ist aber diejenige des Ankommens, wenn man nicht auf seinen so erworbenen Platz verzichtet. Man sollte auf jeden Fall nicht sehr spät kommen, da es sonst sein kann, dass man erstens sehr lange wartet und zweitens vielleicht nicht einmal mehr drankommt. Manche Professoren überziehen nämlich auch die Prüfungszeit oder kommen auch mal zu spät...

Das Thema ist ein Abschnitt der Vorlesung, die Fragen sind je nach Professor mehr oder weniger präzise, nur wenige stellen Synthesethemen. Manche fordern eher (das sagen sie aber vorher in der Vorlesung) eine Art Referat über zehn Minuten, andere nehmen die erste Frage nur zum Anlass und stellen danach noch andere, mehr oder weniger mit der ersten zusammenhängende Fragen. Mit manchen Professoren ergibt sich eine Art Dialog, andere hören sich regungslos an, was man zu sagen hat. Die Noten werden in jedem Falle erst Ende März bekannt gegeben, wobei einige Professoren sich Änderungen bis zum Sommer vorbehalten.

Man sollte diese mündlichen Prüfungen auf keinen Fall unterschätzen. Sie sind zwar sehr kurz und man hat sie dadurch sehr schnell hinter sich, aber man hat auch kaum eine Möglichkeit, sich Lücken zu leisten oder sie zu vertuschen. Man zieht ein Thema oder bekommt es zugeteilt; wenn man es zurückweist, erhält man ein anderes, wird aber nur noch auf zehn Punkte benotet, was sehr schlechte Noten mit sich bringen kann. Man sollte den Stoff also sehr gut kennen, was nicht immer einfach ist, da die Prüfungen häufig Schlag auf Schlag aufeinander folgen. Die Themen sind nicht vorhersehbar – man kann im Vorhinein keines ausschließen, so unwahrscheinlich sie auch sein mögen (da haben sich so einige verschätzt) – und der Prüfungsstil der Professoren nicht unbedingt immer angenehm. Der direkte Kontakt kann sehr vorteilhaft, aber auch sehr einschüchternd sein. Die meisten Professoren sind aber ausländischen Studenten eher gewogen und inhaltliche Ungenauigkeiten lassen sich manchmal auch hinter sprachlichen Problemen verstecken... Außerdem kann man nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat.

Letztendlich helfen vor allem Eloquenz und Selbstbewusstsein, manchmal auch die gewisse Portion Dreistigkeit. Vor mir war z. B. eine polnische Studentin, die mit dem Thema nicht viel anfangen konnte und die es dann geschafft hat, mit viel Charme und sympathischen Worten die Professorin dazu zu bringen, sie noch zu einem anderen Thema zu befragen, ohne unverschämt zu wirken. Das hat sie wahrscheinlich gerettet. Einige von uns konnten eine verkorkste Prüfung noch herumdrehen, indem sie mit anderem Wissen aufgewartet haben oder nach einer Erklärung den wahren Sinn der Aufgabe verstanden und noch die Kurve gekriegt haben. Man muss nur Mut haben und es klappt natürlich nicht bei allen...

Gutes Französisch macht es natürlich leichter, aber viele andere ausländische Studenten sprechen viel schlechter französisch als wir. Und der Ausländerbonus ist eben umso größer, je mehr man ihn benötigt.

Also: Keine Angst, aber Respekt vor der mündlichen Prüfung!